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Lifestyle
07.09.2022

Space-Tourismus für alle zum Greifen nah

Kann die private Raumfahrt bis ins Jahr 2024 allen eine Weltraumreise ermöglichen? Bild: pixabay.com @SpaceX-Imagery
Millionen Menschen verfolgten weltweit den spektakulärsten Schritt in der Menschheitsgeschichte: die Landung auf dem Mond. Neil Armstrong und Buzz Aldrin setzten am 20. Juli 1969 ihre Füsse als erste Menschen weltweit auf die bisher noch unbekannte Landschaft. Schon bald könnte der Traum für jeden wahr werden, denn die private Raumfahrt will den Weltraumspaziergang ab 2024 für alle ermöglichen.

Weltraumreise statt Städtetrip: Bald könnten alle ihre auf dem Mond spazieren gehen

Geht es nach Jeff Bezos, Richard Branson oder Elon Musk, kann bald jeder einen Spaziergang im Weltraum unternehmen. Statt Wanderungen an der Nordsee gibt es Schweben im Weltraum. Amazon-Gründer Bezos schickte 2021 erstmals eine Crew in den Weltraum, war selbst beim spektakulären Flug dabei.

Mittlerweile sendet er bereits das vierte Mal einen bemannten Flug in den Orbit. Auch Kontrahent Elon Musk konnte nur wenige Monate später, im September 2021, erste private Weltraumtouristen mit seinem Unternehmen SpaceX in den Kosmos katapultieren. Doch bis das einzigartige Abenteuer für noch mehr private Weltraum-Fans zugänglich ist, werden laut Expertenmeinung noch einige Jahre vergehen. Bis dahin können sich Wartende die Vorfreude versüßen, beispielsweise mit einer eigenen Stern-Benennung. Eine tolle Geschenkidee, auch für Jahrestage, zur Geburt oder besonderen Anlässen wie der Goldenen oder der Silberhochzeit. Nicht jeder hat einen Stern, der seinen eigenen Namen trägt und sogar mit einem Zertifikat in der Karte versehen ist. Wer weiß, vielleicht lässt sich die persönliche Spur im Kosmos schon bald beim eigenen Flug durch die Galaxie entdecken?

Es geht hoch hinaus: Über 80 km über dem Erdboden beginnt das Weltraumabenteuer

Die internationale Raumstation ISS befindet sich in einer Bahnhöhe von circa 408 km. Ganz hoch hinaus geht es für künftige private Weltraumtouristen nicht. Die ersten Flüge von Virgin Galactic (Unternehmen von Richard Branson) erreichten eine Höhe von über 80 km. Blue Origin (Unternehmen von Jeff Bezos) brachte es mit seinen Flügen sogar auf eine Höhe von etwa 110 km. SpaceX (Unternehmen von Elon Musk) konnte sogar die ISS bei einer Höhe von rund 400 km von der Erde erreichen.

Auf in die Schwerelosigkeit: So funktionieren die privaten Trips ins Weltall

Voller Vorfreude starteten bereits mehrere private Weltraum-Fans ins All, doch die Erde umkreisten sie nicht wirklich. Bezos und seine Crewmitglieder wurden in einer Rakete samt Raumkapsel in eine Höhe von circa 80 km katapultiert, fielen dann zurück und gleiten mit einem Fallschirm sanft zurück auf den Boden. Soweit der Antrieb abgeschaltet wird, schießt das Fluggerät aufgrund des Anfangsschwungs in die Höhe und kehrt nach dem Erreichen des Scheitelpunktes durch den sich öffnenden Fallschirm verlangsamt zurück. Währenddessen erleben Weltraumtouristen das Gefühl der kurzzeitigen Schwerelosigkeit, ohne dabei wirklich die Erde zu umkreisen.

Ganz anders SpaceX. Durch die enorme Geschwindigkeit schaffte es das Raumschiff von Elon Musk sogar bis zur ISS auf 400 km und trat in die Erdumlaufbahn ein. Trotz der deutlichen Höhenunterschiede bei den Weltraumausflügen werben Unternehmen mit dem Griff nach den Sternen. Wo genau das Weltall beginnt, ist wissenschaftlich nicht definiert. Einige Experten befinden, dass das Weltall bei circa 100 km Höhe anfängt. Doch durch die vom amerikanischen Militär geprägte 80-Kilometer-Marke (50-Meilen-Marke) rühmen sich auch Bezos und Branson damit, ihren Gästen trotz Höhe von „nur“ circa 80 km bzw. 100 km einen Weltraumflug anbieten zu können.

1'000 USD pro Sekunde für ein unvergessliches Flugerlebnis

Den Flug auf eine der beliebtesten Inseln schweizer Urlauber, Mallorca, gibt es häufig schon für unter 150 Franken. Doch der Flug in den Weltraum ist deutlich teurer. Günstige Tickets gibt es für circa 240'000 USD von Blue Origin und Virgin Galactics. Bei einem Schwerelosigkeit-Erlebnis von circa 240 Sekunden macht das einen stolzen Preis von 1'000 USD/Sekunde.

Kostspieliger ist der SpaceX-Flug. Für 50 Millionen USD schickte Elon Musk sein Raumschiff zur ISS. Insgesamt gab es neun Tage Schwerelosigkeit, inklusive Hin- und Rückflug. Das macht pro Sekunde 64 USD. Ein Preis, der auch zu einem kleineren Urlaubsbudget passen würde.

Das private Weltraumerlebnis geht auf Kosten der Umwelt

Auch wenn sich weltweit Tausende den Traum des privaten Weltraumausfluges erfüllen wollen, werden es wohl nur wenige tatsächlich realisieren. Die hohen Reisekosten sind ein Grund dafür, doch auch das gesteigerte Umweltbewusstsein. Experten wissen, dass die Raumfahrt schädlich für Klima und Umwelt ist. Zwar fliegt SpaceX mit Raketenkerosin, doch Virgin Galactics ist durch das Feststofftriebwerk noch äußerst schmutzig und hinterlässt viele Abgase beim kurzweiligen Flugerlebnis. Jeff Bezos geht einen Schritt weiter und will mit seinem Flugvergnügen weniger Emissionen ausstoßen. Sein Raketentriebwerk verbrennt Sauerstoff und Wasser, sodass es statt giftiger Abgase nur Wasser als Ausstoss gibt.

Einen von Milliarden Sternen besitzen und vielleicht schon bald beim Weltraumflug erkunden: Die individuelle Sternentaufe ermöglicht es. Bild: pixabay.com @FelixMittermeier

Vor allem die Abgase durch die Starts und Flüge belasten die Atmosphäre enorm, hinzu kommt der Weltraumschrott. Experten schätzen, dass circa 8'000 Tonnen Schrott durch bisherige Missionen durch das Weltall schweben. Jährlich fallen circa 100 Tonnen (unbemerkt) auf die Erde. Meist sind das kleinere Teile, die im Meer versinken. 2021 machte ein in China gebautes 21-Tonnen-Raketenteil Experten große Sorgen, denn es erreichte die Erde. Zunächst war unklar, wo es landete, und schlimmste Szenarien wurden skizziert. Letztendlich landete es glücklicherweise im Indischen Ozean.

Für Menschen sind die herabstürzenden Trümmerteile zwar in den meisten Fällen risikolos, doch die Tierwelt leidet darunter. Durch den Aufprall der schweren Müllteile wird in der Unterwasserwelt eine Kettenreaktion ausgelöst. Lebewesen, die sich im näheren Umfeld befinden, können durch den direkten Aufprall getötet werden. Schädliche Stoffe in den Metallen setzen sich über Jahre hinweg frei und verschmutzen die Gewässer nachhaltig.

Deshalb stossen Pläne der ESA, die ISS im Meer zu versenken und nicht zu recyceln, auf viel Kritikpunkt, immerhin handelt es sich um eine Raumstation mit einer Gesamtmasse von circa 450 Tonnen und mehr als 100 Meter Länge. Durch den nicht-nachhaltigen Umgang mit dem Weltraumschrott ist auch die Freude für private Ausflüge über die Erde getrübt, denn immer mehr Menschen engagieren sich weltweit für Klimaschutz und Artenerhalt.

pd. / wil24.ch