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Jonschwil
15.11.2022
15.11.2022 21:20 Uhr

Bruderer gegen Egger – das Rennen ist offen

350 Bürger*innen hörten den Ausführungen zu Bild: UZWIL24
Am 22. Januar 2023 wird die Bevölkerung darüber abstimmen, wer Jonschwil künftig präsidieren soll. Zum einen kandidiert der von der Findungskommission portierte Philipp Egger, auf der anderen Seite steht die wilde Kandidatur des einheimischen René Bruderers zur Wahl. In der Turnhalle Schwarzenbach fand am Montagabend die erste Bürgerinformation statt, moderiert von Simon Dudle. Man war nett zueinander und in allen wesentlichen Bereichen übereinstimmender Meinung. Fast zu einig, um sich eine echte Wahlempfehlung zu holen.

Eine Prognose abzugeben, wer die Nachfolge von Stefan Frei antreten wird, wäre Glaskugel-Lesen – auch nach Montagabend. Ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen ist nicht unwahrscheinlich. Bis vor zwei Wochen schien es, als würde sich der Kandidat der Findungskommission, Philipp Egger (35) aus Abtwil, das Amt des Gemeindepräsidenten kampflos sichern. Bis René Bruderer (46) seine Kandidatur bekannt gab. Zwei Männer, die den Grossteil ihrer bisherigen Laufbahn für den Vater Staat arbeiteten, obschon Bruderer ein Stück «meh Dräck» mitbringt, schuftete er doch zu Beginn seines Berufslebens viele Jahre auf dem Bau. Eine tiefgreifende Diskussionsrunde mit zwei hervorragend vorbereitenden Kandidaten mit guten Dossier-Kenntnissen.

Bruderer – «einer von uns»

Die über 350 Bürger*innen im vollen Mehrzwecksaal Schwarzenbach lauschten zuerst den Lebensläufen und beruflichen Erfahrungen der beiden Kandidaten. Bruderer sitzt seit 2013 für die FDP im Jonschwiler Gemeinderat und arbeitet als Geschäftsleiter Bau und Infrastruktur auf der Flawiler Gemeindeverwaltung. Er verfügt über Exekutiv- und Verwaltungserfahrung, ist in Jonschwil engagiert – unter anderem organisiert er seit Jahren die Jonschwiler Chilbi, spielt in der Degenau Tennis und trainiert die Junioren des FC Henau. «Ein geselliger Typ, einer von uns», wie es im Nachgang zu diesem Abend beim Apéro vielfach zu vernehmen war. Bruderer scheint beliebt, erzielte er doch bei den Gemeinderatswahlen jeweils Bestresultate. Auch die Findungskommission hatte Bruderer auf dem Radar, dessen Bewerbung war gar die zweitbeste. Aber – so präzisiert der Präsident der Findungskommission, Jürg Krähenbühl – Egger und Bruderer seien fachlich nicht gleichwertig gewesen. Darum nur das Einerticket. Trotz allem: Dass die Findungskommission nur einen Bewerber vorschlug, stiess bei vielen Jonschwiler*innen auf Unverständnis. Eine der Begründungen, dass Egger bei einer Konkurrenz an seiner Seite möglichweise abgesprungen wäre, wurde am Stammtisch von mutlos bis problematisch diskutiert. Nach Bruderers Interessenbekundung wies Egger die Aussage der Findungskommission zurück – und unterstrich dies gestern noch einmal. «Ich scheue mich nicht vor einer Kampfwahl, weil das Interesse am Amt gross ist.» Ein Widerspruch zur Aussage der Findungskommission? Vielleicht.

Steiler Aufstieg von Egger

«Der Beste hat das Rennen gemacht», kommentierte Jürg Krähenbühl die Auswahl. «Und den zweitbesten wollten wir nicht portieren». Ausschlaggebend sei unter anderem Eggers akademische Ausbildung gewesen, die René Bruderer fehlt. Eggers konzeptionelles Denken sei für die künftigen Herausforderungen der Gemeinde von grosser Wichtigkeit. Und zudem: Das letzte Arbeitszeugnis – so Krähenbühl – lese sich so gut, dass die Findungskommission unmöglich an ihm vorbeigekommen sei. Egger hat an der Universität St.Gallen internationale Beziehungen und Governance studiert, war auf der Gemeinde Oberuzwil als Projektleiter angestellt und arbeitet heute als Leiter der Dienststelle Informatik und Infrastruktur bei der Staatskanzlei des Kantons St.Gallen – ein beeindruckend steiler Aufstieg, in den letzten zwölf Jahren seines Berufslebens. Egger ist in Bichwil aufgewachsen, hat eine Partnerin und lebt in Abtwil.  Die Distanz wird vom einen oder anderen Bürgern durchaus als Vorteil gewertet. Weil Egger unverbraucht und ohne Beziehungen die Gemeindearbeit anpacken kann. Bei den vielen unterschiedlichen Interessen bei den brennendsten Themen würde das ein Vorteil sein. Die Tatsache, dass auf engstem Raum schliesslich Vater und Sohn die Geschicke von zwei Gemeinden leiten würden, lieferte kaum Gesprächsstoff. Muss es auch nicht. Obschon dies schweizweit wohl eine Seltenheit, wenn nicht einmalig ist. Nach zwei Stunden war der Info-Anlass vorbei. Wer das Rennen für sich entscheiden wird, darüber bestimmen die Jonschwiler Stimmbürger*innen am 22. Januar 2023 an der Urne. Gestern Abend spürte man, dass der Wahlkampf ohne klaren Favoriten startet.

  • Philipp Egger, der Kandidat der Findungskommission Bild: Uzwil24
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  • Moderator Simon Dudle führte souverän durch die Diskussion Bild: Uzwil24
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  • Gemeindeart René Bruderer bei seiner Vorstellungs-Rede Bild: Uzwil24
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David Hugi
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