In zehn Jahren bin ich nicht mehr Gemeindepräsident, sondern wage doch noch den Schritt in die Privatwirtschaft.
Bruderer: Nein. Ich möchte bis zu meiner Pensionierung Gemeindepräsident von Jonschwil bleiben. Voraussetzung dafür ist, dass mir die Jonschwilerinnen und Jonschwiler alle vier Jahre wieder ihr Vertrauen schenken.
Egger: Nein. Ich arbeite schon viele Jahre für die öffentliche Hand und der Dienst am Gemeinwesen macht mir nach wie vor grosse Freude und ist sinnstiftend. Zusammen mit der Bevölkerung gestalte ich gerne das Gemeinwesen weiter und deshalb reizt es mich nicht, in die Privatwirtschaft zu wechseln.
In zehn Jahren gibt einen FC Schwarzenbach/Jonschwil
Bruderer: Hoffentlich doch! 60 bis 70 Jugendliche aus der Gemeinde spielten früher in umliegenden Vereinen Fussball. Am 1. Juli 2033 konnte der Fussballverein FC Schwarzenbach/Jonschwil sein 10-jähriges Bestehen feiern.
Egger: Das würde auf jeden Fall spannende Derbys mit den umliegenden Vereinen aus Niederstetten, Henau, Uzwil und Wil geben! Sollte die Bevölkerung den Wunsch nach einem eigenen Fussballclub haben, müsste sicherlich geprüft werden, ob und wie die notwendige Infrastruktur dafür bereitgestellt werden kann.
Das Rössli Schwarzenbach als letztes Restaurant in der Gemeinde schliesst im Jahr 2033 seine Türen.
Bruderer: Dank den durch den Gemeinderat vorgenommenen Lockerungen können die Gastrobetriebe seit vielen Jahren vermehrt ihre Aussenflächen nutzen und schätzen diese Freiheiten. Und die Gäste schätzen den Hauch von «italianità». Dank der Digitalisierung konnten die Gastrobetriebe ihre Fixkosten senken und betreiben erfolgreich Restaurants in der Gemeinde.
Egger: Die Pächterinnen und Pächter der jetzigen Lokale leisten eine grossartige Arbeit und sind sehr innovativ. Aus diesem Grund und aufgrund des aktiven Vereinslebens in der Gemeinde Jonschwil, was zu häufigen Besuchen führt, wird es auch in zehn Jahren noch Gastronomiebetriebe in der Gemeinde geben.
Das Präsidium ist im Jahre 2033 noch mit 60 Prozent dotiert. Ich als Gemeindepräsident habe mein Pensum mit folgenden Aufgaben aufgestockt …?
Bruderer: Ich finde das eine etwas gewagte These und glaube nicht, dass mit den aktuellen Themen – die auf unsere Gemeinde zukommen werden – eine 60% Anstellung für das Amt des Gemeindepräsidenten ausreicht. Wenn es dann aber doch so wäre, würde ich mich sehr gerne als Juniorentrainer beim erwähnten FC Schwarzenbach-Jonschwil engagieren oder als Vorturner auf dem «Bänkli-Fit-Weg» :-)
Egger: Die Aufgaben der öffentlichen Hand werden in den kommenden Jahren eher zu- als abnehmen. Aus diesem Grund ist es unwahrscheinlich, dass das Pensum des Gemeindepräsidenten reduziert wird. Sollte dies dennoch geschehen, könnte ich mir gut vorstellen, weitere Aufgaben in der Gemeinde zu übernehmen. Dies insbesondere in der Rolle als Projektleiter für verschiedenste Vorhaben.
Die Gemeinde ist im Jahr 2023 noch stärker überaltert als heute. Folgende Massnahmen wurden bereits in die Wege geleitet.
Bruderer: Die Menschen leben immer länger in ihren eigenen Wohnungen und wechseln in der Regel erst dann in Heime, wenn sie stark pflegebedürftig sind. In zehn Jahren sind die ersten Alterswohnungen in den Dorfkernen von Schwarzenbach und Jonschwil bezugsbereit. Es steht ein gut unterhaltenes Fuss- und Radwegnetz zur Verfügung und in der Nähe gibt es ein attraktives Angebot von öffentlichen Aufenthaltsräumen.
Egger: Der Trend zu einem höheren Durchschnittsalter in der Bevölkerung wird anhalten. Aus diesem Grund wird es wichtig sein, dass Angebote für die ältere Generation zur Verfügung stehen, damit diese möglichst lange in der Gemeinde wohnen bleiben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Gleichzeitig wird es zentral, dass auch für die jüngere Generation entsprechende Angebote geschaffen werden, damit deren Bedürfnisse abgedeckt werden können. So muss es zu einem Ausgleich und zum gegenseitigen Verständnis zwischen den Generationen kommen.
Die Schweiz hat sich den Pariser Klimazielen verpflichtet. Noch 17 Jahre bleiben (im Jahr 2033), damit Jonschwil klimaneutral ist. Folgende Massnahmen sind in Kraft gesetzt.
Bruderer: Das Fernwärmenetz ab dem Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid nach Jonschwil ist umgesetzt. Es sind Photovoltaik-Anlagen auf vielen grösseren Dächern installiert. Die Bürgerinnen und Bürger konnten Anteile dieser Flächen erwerben und sich den dort erzeugten Strom auf ihrer Stromrechnung gutschreiben lassen. Die Gemeinde Jonschwil hat günstige Rahmenbedingungen für den öffentlichen Verkehr, für Fussgängerinnen und Fussgänger, für den Veloverkehr und für die Elektromobilität geschaffen und übernimmt seit Jahren eine Vorbildrolle beim haushälterischen Umgang mit Energie und deren nachhaltigen Beschaffung. Der neue Energierichtplan der Gemeinde Jonschwil zeigt Potentiale für weitere konkrete Massnahmen mit erneuerbaren Energien zur Reduktion der Treibhausgasemissionen auf.
Egger: Die Gemeinde Jonschwil ist bereits jetzt diejenige Gemeinde in der Schweiz mit dem höchsten pro Kopf Anteil an der Solarstromproduktion innerhalb der Gemeinde. Mit dem Bau der Photovoltaikanlage auf dem Dach des Aldi-Hauptsitzes wird sich dieser Vorsprung nochmals vergrössern. Darüber hinaus steht mit dem Projekt zur Nutzung der Fernwärme aus Bazenheid ein weiteres Vorhaben zur nachhaltigen Energienutzung an. Damit leistet die Gemeinde Jonschwil bereits einen substanziellen Beitrag.