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Kultur
24.07.2020
06.09.2020 16:14 Uhr

ST. NIKOLAUSKIRCHE: WILER WAHRZEICHEN MIT BEWEGTER GESCHICHTE

Die St. Nikolauskirche ist eines der markanten Wahrzeichen in der Wiler Silhouette. An und in ihr hat die bewegte Geschichte der Äbtestadt vielfältige Spuren hinterlassen.

(Adrian Zeller)

Archäologen stiessen 1981 in der Wiler Stadtkirche auf ein Skelett. An der Universität Zürich wurde dessen Alter auf rund 850 Jahre erkannt.

Da der Verstorbene im Gotteshaus bestattet wurde, nimmt man an, dass es sich dabei um den Stifter der Kirche handelt. Es lang mit seinem Kopf nach Westen begraben. Die Experten schliessen daraus auf einen Laien, bei einem Geistlichen wäre das Haupt in Richtung Altar ausgerichtet gewesen.

Ehemals Kapelle

Das genaue Alter der St.Nikolauskirche ist unbekannt. Archäologische Funde verorten die Ursprünge um die Zeit der Stadtgründung um 1200. Allerdings dürfte sie damals eher die Dimensionen einer Kapelle gehabt haben. Dies mag heute beim Anblick des stattlichen Gotteshauses überraschen. Es wird verständlicher, wenn man bedenkt, dass die St. Peter-Kirche die ursprüngliche Wiler Hauptkirche war. Aufgrund von archäologischen Funden dürften deren Ursprünge deutlicher älter sein, als die der heutigen Stadtkirche.

Erste Kirche vernichtet

Um 1292 brannte Wil infolge von Streitigkeiten zwischen dem Kloster St. Gallen und dem Haus Habsburg komplett nieder. Beim Wiederaufbau der Stadt wurde die Kirche im romanischen Stil errichtet. Die aufgefundenen Gebeine dürften vom Stifter dieser Kirche stammen.

Um 1429 erhielt sie ein gotisch-orientiertes Erscheinungsbild. Diese Neugestaltung veranlasste der damalige Fürstabt Ulrich Rösch, der auch seiner Residenz, dem Hof, sein markantes Aussehen verlieh. In dieser Zeit wurde das Gotteshaus in der Altstadt zur Pfarrkirche aufgewertet, sie löste damit die Kirche St. Peter ab.

Wiederentdecktes Fresko

Die Herrschaftszeit des energischen und machtbewussten Fürstabtes Rösch mit Wurzeln im Allgäu fiel in die Übergangszeit von der Gotik in die Renaissance. Dieser Wandel der Epochen ist in der St. Nikolauskirche etwa am grossen Christophorus-Fresko von Hans Haggenberg erkennbar. Bis 1932 war das Bildnis abgedeckt und erst anlässlich einer umfassenden Kirchenrenovation wiederentdeckt.

Heller Innenraum

Der aus Konstanz stammende Renaissance-Künstler Hans Caspar Knus hinterliess seinerseits in der St. Nikolauskirche künstlerische Spuren. Er malte um 1603 den Chor mit der Darstellung der kirchlichen Sakramente sowie die Rippengewölbe mit ornamentalen Verzierungen aus. 1664 wurde seine Malerei weiss übertüncht. Der Innenraum erscheine so heller, lautete die damalige Begründung.

1704 erhielt die Kirche ein barockes Gepräge. Unter anderem wurde das Mittelschiff massiv ausgebaut. Und auch der noch heute bestehende kleine Zwiebelturm auf dem Chor stammt aus dieser Epoche. In ihm sind zwei kleine Glocken aufgehängt.

Umfassender Umbau

1866 erhielt die Stadtkirche im Stil der damaligen Zeit eine neugotische Ausstattung. Diese Umgestaltung wurde 1932/33 rückgängig gemacht und das Gebäude zudem modernisiert und baulich angepasst.

Insbesondere wurde der damals in der Mitte der Stirnseite des Schiffes stehende Turm abgebrochen und seitlich höher und breiter neu errichtet. Er erinnert an einen Wachtturm aus der ehemaligen Stadtbefestigung, dieser stand ungefähr an jener Stelle.

Die bauliche Umgestaltung des Wacht- in einen Kirchturm wird auf das Jahr 1486 datiert. Die heutigen Runderker verweisen auf diese frühere Funktion. Der Kirchturm ist übrigens auch die zeitweilige Unterkunft einer Kolonie von Alpenseglern, die sehr selten in Städten anzutreffen sind.

Geläut befriedigte nicht

Für den neuen Kirchturm brauchte es anlässlich des Umbaus von 1932 ein anderes Geläut. Es stellte sich mit der Zeit heraus, dass der Klang einer der neuen Glocken nicht den Qualitätsanforderungen entsprach. Es waren entsprechende Klagen aus der Bevölkerung eingegangen.

Bei einer entsprechenden Kontrolle stellte man einen Riss fest. Die traditionsreiche Herstellerfirma Rüetschi in Aarau sorgte für Ersatz. Als Garantieleistung hätte sie nur die eine Glocke erneuern müssen, aus freien Stücken bot sie an, auf eigene Kosten alle sieben Glocken neu zu giessen. Seit 1939 erklingt das Geläut von St. Nikolaus nun makellos.

Wil24