Die über 600 Mitwirkenden und Gäste lauschten gespannt einer Geschichte aus der Stadtgeschichte: In einem Gemeinderatsprotokoll von 1808 ist festgehalten, dass an jedem Silvester überprüft wurde, ob jedes Haus über eine sturmfeste Laterne für den Notfall verfügte — ein frühes Zeichen für Vorsorge und Gemeinschaftssinn. Passend dazu trugen die Kinder stolz ihre eigenen, liebevoll gebastelten Laternen durch die Nacht.
Nach dem ersten gemeinsamen Lied, begleitet von der Stadtharmonie Wil, setzte sich der Zug in Bewegung. Die Route führte durch die Marktgasse bis auf den Kirchplatz. Die verdunkelte Altstadt, die Trommelwirbel der Stadttambouren Wil und das sanfte Flackern der hunderten Laternen schufen eine ganz besondere, fast magische Atmosphäre, die Jung und Alt gleichermassen berührte.
Auf dem Kirchplatz überbrachte Stadtrat Jigme Shitsetsang die Grussworte der Stadt. In seiner Ansprache erinnerte er daran, wie wichtig lokaler Zusammenhalt und gelebte Gemeinschaft gerade in einer zunehmend polarisierten Welt seien. Der Silvesterumzug sei dafür ein schönes und sichtbares Zeichen.
Der traditionsreiche Anlass zeigte einmal mehr, wie stark Brauchtum, Geschichte und gelebte Gemeinschaft in Wil miteinander verbunden sind — und wie sie auch nach über 200 Jahren nichts von ihrer Bedeutung verloren haben.