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Kultur
18.01.2026
17.01.2026 14:20 Uhr

Schwanensaal: Ehemaliger Publikumsmagnet der Wiler Fastnacht

Bild: Stadtarchiv Wil
Die Fastnacht 2026 steht bevor, da kommen Erinnerungen hoch: Bis heute gelten die farbenfrohen Kostümbälle im seinerzeitigen Schwanensaal als legendär. Mit dem Abbruch des Saals endete 1978 die Ära einer Wiler Gastronomieinstitution.
Schwanensaal als Attraktion auf einer historischen Ansichtskarte. Bild: Stadtarchiv Wil
Damals: Der legendäre Schwanensaal in Wyl mit attraktiven Angeboten. Bild: pd

Am Othmarsmarkt am 19.November 1876 konnten Tanzfreudige im Schwanensaal zum ersten Mal ihrer Leidenschaft frönen. Drei Jahre zuvor war die neugebaute Taverne und Weinhandlung zum Schwanen feierlich eröffnet worden. Mit Stallungen für vierzig Pferden, einer Brückenwaage sowie einem Gastronomieangebot für gehobene Ansprüche wurde das Hotel Schwanen zum Mitbewerber um die Publikumsgunst. Sein Konkurrent war das damalige Hotel Schöntal, ebenfalls an der Oberen Bahnhofstrasse gelegen.

Serie von Maskenbällen

Im Jahr 1877 begann die Tradition der Kostümbälle. «Der legendäre Schwanen-Maskenball war während fast 50 Jahren unbestritten ein gesellschaftlicher Höhenpunkt des fastnächtlichen Treibens», schreiben Benno Ruckstuhl, Peter Ruckstuhl und Werner Warth im Buch «Fastnacht in Wil». «Man darf wohl sagen, dass sich dieser Anlass vor allem durch sein gediegenes Niveau auszeichnet», urteilte damals die Lokalpresse. Der Event fand jeweils am Fastnachtmontag statt. Vor Jahrzehnten lockte in Wil jeweils eine Serie von Maskenbällen das Publikum an: im Hof, in der Tonhalle, im Hotel Landhaus und noch früher im Hotel Derby und im Hotel Schöntal. Veranstalter waren unter anderem der Katholische Gesellenverein, der Katholische Turnverein sowie die Stadtmusik.

Überraschung bei der Demaskierung

Über den Ball im Schwanen heisst es im Buch «Fastnacht in Wil»: «Hier wurden durch eine Jury die besten Masken prämiert. 1978 waren dies 87 von 130 Masken.» Es gab den Schwanenpreis und den Preis der Wiler Filzfabrik zu gewinnen. «Die meisten Damen hatten ihre Kostüme nur für diesen Abend angefertigt», schreiben die Autoren.

Wie ältere Wilerinnen erzählen, wurden die Kostüme heimlich angefertigt, um damit am Ballabend ihre Männer zu überraschen. Diese wussten nicht, wer sich in der Verkleidung verbirgt. Die Männer erschienen traditionsgemäss unverkleidet in schwarz. Um Mitternacht fielen die Masken. Verschiedene männliche Gäste waren überrascht, wer sich im Kostüm verbarg. Ursprünglich konnten die Fastnachtskostüme direkt im Schwanen von einem Costumeur aus Turbental unter Zusicherung feinster Bedienung gemietet werden konnten. Die Phase der selbst entworfenen Verkleidungen erfolgte später. Oft wurden dabei Themen aus dem lokalen Geschehen aufgegriffen.

Sensationen aus fernen Kontinenten

Die damalige Eigenwerbung lobt den Schwanensaal als der «weitaus schönste der Ostschweiz». Sein Fassungsvermögen wird mit 500 Personen angegeben. Neben der Fastnachtsveranstaltung sollten spektakuläre Attraktion das Publikum anlocken. So war etwa um 1890 war «Hampa» zu erleben, ein echter Indianer vom Stamme der Sioux aus dem US-Bundesstaat Dakota. Er produzierte sich mit Pfeil, Bogen und Lasso.

In jenen Jahren waren im einstigen Schwanensaal im Weiteren eine Truppe von Veloakrobaten «auf ihrer Durchreise nach Indien» zu bestaunen. Sie nannte sich «Maurice Prado`s World Bicycle Wonders, Meister aller gymnastischen Ein- und Zweiradfahrer von Europa und Amerika». Es wirkten auch Flora und Celia Prado mit (2,5 und 5 Jahre alt), die jüngsten Radfahrerinnen der Welt, mit. Der Eintrittspreis für die Show betrug einen Franken.

Im selben Lokal war auch der «Kinématograph der Companie Lumière, Lyon» zu bestaunen. Er zeigte «Lebende Photographien; Grossartige Erfindung auf dem Gebiete der Momentphotograpie». Der Apparat begründete die weltweite Kultur des Kinos.

Bild: Stadtarchiv Wil
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Fastnacht 2026 - Spezielles im Schwanen

Zum heutigen Fastnachtsangebot des Hotels Schwanen gehören am Gümpeli-Mittwoch die Bürgerwurst sowie am Aschermittwoch das traditionelle Stockfischessen.

Adrian Zeller, Journalist
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