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01.01.2020
15.11.2020 12:02 Uhr

"Rundkurs 701 soll beibehalten werden"

189 Petitionärinnen und Petitionäre, vertreten durch Mitglieder des Petitionskomitees Dieter Hepp und Rolf Ebner, setzen sich dafür ein, dass der bisherige Rundkurs beibehalten wird. Nachfolgend erläutern Sie in Wort und Bild die Gründe für ihr Anliegen.

Petition gegen Fehlplanung Buskonzept 2021

Das Buskonzept 2021 der Stadt Wil sieht verschiedene Änderungen bei den Stadtbusverbindungen vor. Das betrifft auch die Linie 701, die das Neulandenquartier bedient. Bedauerlicherweise bringt die geplante Umwandlung des heutigen Rundkurses in eine sogenannte Stichlinie hauptsächlich Verschlechterungen: Die zukünftige Linienführung erzeugt 20'000 Mehrkilometer pro Jahr mit entsprechenden grösseren Emissionen, denn alle 7 ½ Minuten, bzw. 115 mal täglich soll der Bus durch das Quartier fahren.
Während die gut frequentierte Haltestelle Sonnenberg aufgehoben werden soll, müssen aufgrund der beidseitigen Bedienung zusätzliche Haltestellen eingerichtet werden. Ausser Kosten und mehr Lärm durch An- und Abfahrten bringen diese praktisch nichts.

Seit der ÖV-Strategie Wil vom Dezember 2017 plant das Wiler Baudepartement die Buslinie 701 über den Von Thurnsteig ins Neulandenquartier zu führen.

Auszug aus der ÖV-Strategie Wil 2030/2035


Gemäss „Bestvariante“ des Baudepartements soll die Linie 701 wie folgt über den Von Thurnsteig in das Neulandenquartier geführt werden:

Der von Thurnsteig hat 18 bis 35% Steigung und sogar einen Absatz mit über 50% Steigung (-> geoportal.ch). Er ist im Winter an wenigstens 10 Tagen objektiv nicht befahrbar – mit bestehender Unsicherheit muss er sicher an 20 Tagen gemieden werden. Die „Bestvariante“ des Baudepartements ist fahrplanmässig gar nicht befahrbar.

Zum Glück ist aber bei einem Versuch – den wir vermutlich der Bau- und Verkehrskommission des Parlaments verdanken – der Bus auf der Fahrbahn aufgesessen. Nur darum ist die „Von Thurnsteig-Variante“ „noch nicht im Buskonzept 2021 enthalten.“ 

Vorübergehend soll der Bus jetzt die Ulrich Röschstrasse hinauf ins Quartier fahren.Dort erinnert die Ruine der gedeckten Betonhaltestelle an den vorletzten Busversuch des Baudepartements, bei dem die Busse im Winter immer Probleme an genau der Steigung hatten, die jetzt wieder befahren werden soll.

Ruine Bushaltestelle Ulrich-Röschstrasse.

Das Stadtrat hat also in letzter Sekunde eine technisch gar nicht umsetzbare Lösung durch eine Linienführung ersetzt, die aufgrund schlechter Erfahrungen schon einmal aufgegeben wurde.
Das wird den Quartierbewohnern allen Ernstes als „Bestvariante aus einer umfassenden Variantenevaluation“ präsentiert. Kein Wunder, wenn das Vertrauen in die diesbezügliche Planungskompetenz des Baudepartements auf null gesunken ist.

Aber nicht genug: Jetzt wird die nächste Haltestellen-Ruine erzeugt, eine der am besten genutzten im Neulandenquartier soll stillgelegt werden: die Haltestelle Sonnenberg.

Und die dortigen Anwohner sollen stattdessen über den Kapuzinerweg zur Haltestelle an der Konstanzer Strasse gehen: die Treppen sind aber für Gehbehinderte nicht zu bewältigen.

Kapuzinerweg.

Alternativ wird ihnen empfohlen über den Sonnenbergweg auf die Fürstenlandstrasse und zur Haltestelle Spital zu gehen: Für ältere Anwohner ist das ebenfalls kein brauchbarer Vorschlag.

 

Aus Sicht der Bewohner des Neulandenquartiers handelt es sich um eine ganz offensichtliche Fehlplanung, die fünfstellige Steuergelder kostet und nur gravierende Kollateralschäden bringt.

Mit unserer Petition, die von 189 Personen unterzeichnet wurde, haben wir Quartierbewohner den Stadtrat gebeten, den bestehenden Rundkurs beizubehalten. Die Antwort des Stadtrats auf die Petition ist enttäuschend. Sachlich wird auf unsere Argumente  kaum eingegangen. Geradezu seltsam ist die Aussage, die Pünktlichkeit werde dank der zukünftigen Stichlinie garantiert. Der Stadtrat sollte eigentlich wissen, dass die Verspätungen der Busse, einschliesslich der Linie 701, vor allem zwei Gründe haben: 1. Die Verkehrstaus im Bahnhofsbereich und 2. der Betrieb der Linie 701 im 15-Minuten-Takt mit nur einem Bus. Ausserdem ignoriert der Stadtrat bewusst, dass die Verspätungen mit der Änderung des für ihn sakrosankten 15-Minuten Taktes in einen 20-Minuten-Takt sofort und ohne Kosten behoben werden könnten.

Es ist unverständlich, dass der Stadtrat die neue Linienführung einführen will. Mit dem bestehenden Rundkurs würde mehr Rücksicht auf Bewohner und Umwelt genommen. Noch dazu verursacht dieser bedeutend weniger Kosten als die geplante Stichlinie, deren Wintertauglichkeit mehr als fraglich ist.

Fazit

Wir Petitionäre werden unser Anliegen weiterverfolgen. Wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass der gesunde Menschenverstand schlussendlich überwiegt. Das Ausmass der Planungsfehler der INFRAS AG in ÖV-Strategie und Buskonzept Wil 2021 ist an sich unübersehbar. Trotzdem müssen wir uns scheinbar in Geduld üben, bis der Stadtrat die notwendigen Konsequenzen zieht.

Dieter Hepp und Rolf Ebner, Wil