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Kanton SG
20.11.2020

Details zur Corona-Lage im Wahlkreis Wil

Kantonsrat Erwin Böhi wollte in einer Anfrage mehr über die genaue Corona-Lage und die Massnahmen im Wahlkreis Wil wissen. Jetzt sind die Antworten der Regierung gekommen - mit interessanten Informationen und Details zu den zehn Gemeinden.

Einfache Anfrage Böhi-Wil vom 3. Oktober 2020:

 

Corona-Brennpunkt Wil – was unternimmt der Kanton?

Wil ist aktuell der Coronahotspot des Kantons St.Gallen, nachdem in den letzten zwei Wochen im Wahlkreis rund 60 laborbestätigte Covid-19-Fälle pro 100’000 Einwohner registriert wurden. Während die Einwohnerzahl des Wahlkreis Wil 15 Prozent der Wohnbevölkerung des Kantons beträgt, entspricht die Anzahl der bestätigten Covid-19-Infektionen rund 25 Prozent aller Fälle im ganzen Kanton.
Sollte sich diese Entwicklung nicht verlangsamen, dann riskiert der Wahlkreis Wil vom Bundesamt für Gesundheit als Risikogebiet eingestuft zu werden. Die Situation in anderen Teilen des Kantons ist weit weniger kritisch. Die Zahl der bestätigten Fälle im gleichen Zeitraum beläuft sich beispielsweise im Wahlkreis St.Gallen auf 43 und im Werdenberg auf lediglich 8 Fälle.
Gemäss Medienberichten gibt es grosse Unterschiede in den Kantonen bei der Kontrolle von Personen, die sich aufgrund einer bestätigten Infektion oder nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet in Quarantäne begeben haben. In Zürich werden am meisten Kontrollen durchgeführt und fehlbare Personen angezeigt, im Kanton St.Gallen offenbar sehr wenige.Die Regierung wird gebeten, die folgenden Fragen zu beantworten:


1. Verfügt die Regierung über Zahlen zu den Covid-19 Fällen aufgeteilt nach der Stadt Wil und
den anderen Gemeinden des Wahlkreis Wil?

2. Wie viele Quarantäne-Kontrollen wurden im Kanton St.Gallen im Allgemeinen und im Wahlkreis Wil im Besonderen seit Anfang Juni durchgeführt, und wie viele Personen wurden wegen Nichtbeachtung der Quarantänevorschriften angezeigt?

3. Wie viele der laborbestätigten Covid-19-Fälle wurden bei Personen festgestellt, die aus dem
Ausland in die Schweiz reisten und aus welchen Ländern stammen diese Personen?

4. Welche Massnahmen wird die Regierung treffen, um zu verhindern, dass die Zahl der infizierten Personen nach den Herbstferien aufgrund der Rückkehr von Personen aus Risikoländern, bzw. Risikogebieten weiter steigt?»

3. Oktober 2020 Böhi-Wil

Die Antwort der Regierung des Kantons St.Gallen vom 17. November 2020

Erwin Böhi-Wil erkundigt sich in seiner Einfachen Anfrage vom 3. Oktober 2020 im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie nach detaillierten Daten für den Wahlkreis Wil und nach der Kontrollpraxis bei Personen in Isolation und Quarantäne.

Die Regierung antwortet wie folgt:
Die Entwicklung der Fallzahlen im Kanton St.Gallen blieb bis zur Woche 40 stabil mit unter 50 gemeldeten Fällen je Tag. Ab der Woche 41 nahm die Anzahl gemeldeter Fälle, wie in der ganzen Schweiz, rapide zu. Dies gilt auch für den Wahlkreis Wil, wo bereits zuvor zwischen dem 14. und 28. September 2020 eine leichte Welle verzeichnet wurde. Die Mehrheit der Ansteckungen war bei jungen Menschen zwischen 20 und 30 Jahren zu verzeichnen. Aufgrund der Entwicklungen der letzten Wochen werden alle Wahlkreise gemäss Definition des Bundesamtes für Gesundheit als Risikogebiet eingestuft.

Zu den einzelnen Fragen:

1. Die Zahl der gemeldeten Personen mit einem positiven Testresultat stieg zuerst im Wahlkreis Wil an. Dieser Umstand konnte weder auf Reiserückkehrende noch auf spezielle Ereignisse oder Orte zurückgeführt werden. Es ist jedoch anzunehmen, dass sich die beobachtete Zunahme in erster Linie auf berufliche und private Pendelströme in den Kanton Zürich zurückführen lässt. Wie aus der Detailanalyse (siehe Anhang) ersichtlich, bezieht sich dieser Anstieg primär auf die Stadt Wil.

2. Die Quarantäne für Reiserückkehrende wird über die eidgenössische Covid-19-Verordnung Massnahmen im Bereich des internationalen Personenverkehrs (SR 818.101.27) geregelt. Alle Rückreisenden aus dem Ausland müssen sich nach der Rückkehr in die Schweiz umgehend in eine zehntägige Quarantäne begeben, wenn sich ihr Reiseland auf der Risikoländer-Liste befindet. Die Personen müssen sich sodann innerhalb von zwei Tagen über ein Webportal beim Wohnkanton melden. Bis zum 15. Oktober 2020 befanden sich im Kanton St.Gallen seit Pandemiebeginn 6'747 Reiserückkehrende unter Quarantäne. Ab dem 29. Oktober 2020 wurden die Kriterien für die Definition eines Risikolandes angehoben und der aktuellen epidemiologischen Situation in der Schweiz angepasst. Die Einhaltung der Quarantäne wurde stichprobenartig bis Anfang Oktober 2020 über das Contact-Tracing-Team durchgeführt. Seit Mitte Oktober 2020 ist das Contact-Tracing-Team so stark mit dem Kontaktieren von positiv Getesteten und ihren Kontaktpersonen beschäftigt, dass keine Stichprobenkontrollen mehr durchgeführt werden. Im Kanton St.Gallen wurde bisher keine Person wegen Nichteinhaltung der Quarantänevorschriften angezeigt.

3. Der Anteil von Personen, der während der Rückreisequarantäne positiv auf das SARSCoV-2-Virus getestet wurde, lag im Kanton St.Gallen bis Ende September 2020 bei unter einem Prozent.

4. Der seit Anfang Oktober 2020 in der ganzen Schweiz verzeichnete Anstieg der Fallzahlen ist nicht auf Rückreisende aus Risikoländern zurückzuführen (siehe auch Ziff. 1). Die Regierung sieht keine weiteren Massnahmen vor.

Anhang:

Erwin Böhi, SVP-Kantonsrat Kanton St.Gallen / jg