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13.12.2020

Kinder- und Jugendpsychiatrie: «Anstieg von mehr als 30%»

Psychiatrische Universitätsklinik Zürich: Zur Zeit reichen die Kapazitäten im stationären Bereich gerade noch aus.
Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf die Psyche? Dazu heisst es aus der Uniklinik Zürich: «Insgesamt auf das Jahr gerechnet wird es in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ein Anstieg von mehr als 30% sein.»

Studien gehen davon aus, dass etwa 25 Prozent der Schweizer Bevölkerung an psychischen Krankheiten leiden (inkl. beispielsweise Demenz). Häufigste Erkrankung: Angststörungen. Auch die Corona-Pandemie fordert ihre Opfer. Marc Stutz, Leiter Kommunikation Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, erteilt Linth24 Auskunft über die aktuelle Situation in der Uniklinik.

Hat die Anzahl Patienten bei Ihnen seit der Corona-Krise zugenommen?

Die Nachfrage bewegt sich sowohl in der Erwachsenenpsychiatrie als auch - und vor allem - in der Kinder- und Jugendpsychiatrie momentan auf konstant hohem Niveau. Vergleiche zum Vorjahr auf das gesamte Jahr 2020 liegen uns noch nicht vor.

Während des Lockdowns nahm die Nachfrage nach psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlungen ab - beziehungsweise kam es zu einer Verschiebung zu anderen Fragestellungen und Störungsbildern. Nach dem Ende des Lockdowns - und bei der Kinder- und Jugendpsychiatrie nach den Sommerferien - war jedoch ein Anstieg klar festzustellen. Mittlerweile ist die Auslastung wieder auf dem Stand wie vor dem Lockdown. Einerseits steht das volle Behandlungsangebot wieder zur Verfügung, andererseits sehen wir einen Zuwachs bei Patientinnen und Patienten mit affektiven Störungen, in erster Linie Depressionen, aber auch mit Krisen.

Wie hoch ist der Anstieg bei den Jugendlichen?

Bei Kinder- und Jugendpsychiatrie konnte eine starke Zunahme bei den Notfall-Anfragen festgestellt werden, was einerseits dem allgemeinen Trend der letzten Jahre entspricht, andererseits auch eine weitere Pandemie-bedingte Zunahme beinhaltet. Insgesamt auf das Jahr gerechnet wird es in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ein Anstieg von mehr als 30% sein.

Wie viele leiden erst seit Corona unter Ängsten und Depressionen?

Das können wir nicht genau sagen. Da die Pandemie in erster Linie bestehende psychische Probleme verstärkt, dürften wohl nur sehr wenige Patientinnen und Patienten ausschliesslich wegen der Pandemie zu uns kommen.

Müssen Sie Patienten abweisen, weil Sie überlastet sind?

Zur Zeit reichen die Kapazitäten im stationären Bereich gerade noch aus. Dies kann sich aber dann schnell ändern, wenn das Personal ebenfalls vermehrt in Quarantäne oder Isolation gehen müsste und somit das verbleibende Personal mit Überlastungssymptomen zu kämpfen hätte.

Was empfehlen Sie Menschen, die unter der Corona-Krise leiden, zur Stärkung Ihrer Psyche?

Wichtig sind positive Aktivitäten wie zum Beispiel das Lesen eines Buchs oder das Kontaktieren von Freunden, Entspannungsübungen oder moderates Ausdauertraining zum Abbau von Stress. Tun Sie Dinge, die Ihnen Spass machen, natürlich immer unter Einhaltung der BAG Regeln. Holen Sie sich kompetente Hilfe, sollte die Belastung doch zu gross werden. Denn: Sich helfen zu lassen, ist ein Zeichen persönlicher Stärke, nicht Schwäche.

Hilfe in der Coronazeit

Linth24