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Leserbrief
Lifestyle
03.03.2021
04.03.2021 21:41 Uhr

Zerstörte Plakate für "Ja zum Verhüllungsverbot"

Bild: zVg
Stadtparlamentarier Marco Albrecht nimmt in einem Leserbrief Stellung zur "Ja zum Verhüllungsverbot"-Volksabstimmung vom 7. März. Er kritisiert in diesem Zusammenhang auch die Zerstörung von Plakaten, insbesondere an der Toggenburgerstrasse.

Freie Meinungsäusserung ist ein hohes Gut in jeder Demokratie. Dass man über den Stil und Geschmack einzelner Propaganda-Massnahmen unterschiedlicher Ansicht sein kann, ist völlig legitim.

Die Geschmacklosigkeit gipfelt jedoch darin, dass Plakate einer Partei, deren Meinung einem gerade nicht passt, einfach wiederholt abgerissen und zertrümmert werden!

So geschehen die letzten Wochen an verschiedenen Orten auf dem Gemeindegebiet von Wil SG, als mehrere Plakate zum Burka/Verhüllungsverbot (welches in unserem Kanton eigentlich eh schon gilt), diesem Vandalismus zum Opfer fielen. Einen unrühmlichen „Rekord“ hält wohl das Plakat an der Toggenburgerstrasse, welches schon wenige Stunden nach dem Aufstellen, am helllichten Tag notabene, böswillig zerstört wurde!

Solche feigen, anonymen Taten sind völlig sinnlos und führen zu keinerlei positiver Auseinandersetzung in der Sache! Manch eine/r möge dies, mit gutem Recht, gar als einen Angriff auf die direkte Demokratie werten; soweit möchte ich nicht gehen.

Dass wir in Wil auf solch primitivem Niveau gelandet sind, ist dennoch höchst bedenklich! Es ist also höchste Zeit für konstruktive Diskussionen.

Fragen Sie doch mal eine Kurdin oder eine syrische Flüchtlingsfamilie, was die von einer Burka halten?! Und ja, im Gegensatz zu so manchen, selbsternannten Gutmenschen, die sich jetzt für die „Freiheit“ der so in ihrer Freiheit bedrohten Burkaträgerinnen und ihrer oft darauf bestehenden Göttergatten einsetzen, habe ich selber solche Leute unterstützt, begleitet, ja sogar das Dach über dem Kopf geteilt und pflege mit denen freundschaftlichen Kontakt!

Selbst in Syrien waren Burkas völlig unüblich und mehr als verpönt, bis sie in gewissen Landesteilen, durch völkermordernde Banden, gar zur Vorschrift wurden! Meistens impliziert durch ExtremistInnen aus der Golfregion und zahlreichen KonvertitInnen, die das „Dschihad-Reisefieber“ gepackt hatte.

Burka und Nikab haben nichts mit moderatem Islam zu tun, im Gegenteil, nur fundamentalistische, salafistische und wahhabitische ExtremistInnen bestehen darauf! Sie sind Ausdruck eines gefährlichen, politischen Islam rückwärtsgewandter Prägung! Es soll nur die Frau einschränken und kontrollieren. Eine Integration ist damit völlig ausgeschlossen, sowie auch eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben!

Ausserdem hat diese Initiative gar nichts mit Rassismus zu tun; Jede/r kann Moslem werden. Ironischerweise forderten ja genau Teile der SP-Frauen und Juso vor 10 Jahren sogar ein Kopftuchverbot an gewissen Orten, wovon in der aktuellen Initiative aber nichts steht! Genau die selben Leute um Tamara Funiciello, bezeichneten damals die Burka mit Recht als Symbol der Unterdrückung der Frau. Später verbrannten sie publikumswirksam ihre Bhs, jetzt setzen sie sich für die Burka ein, einfach, weil die Initiative nicht von ihnen selber kommt! Das hat nichts mit Sachpolitik zu tun!

Wenn wir die Burka auch als Symbol des Extremismus, des politischen Islam und der Abschottung/Ausgrenzung per Volksabstimmung verbieten, setzen wir ein starkes Zeichen genau gegen die Ausgrenzung unserer muslimischen MitbürgerInnen, aber für ein Miteinander mit gegenseitigem Respekt und geben dem ganzen demokratische Legitimität! Ausserdem wären wir bei weitem nicht die ersten. Niemand, der mal in Frankreich war, würde behaupten, dass dieses Land islamophob ist, im Gegenteil! Trotzdem kennt Frankreich seit gut zehn Jahren ein Burkaverbot! Toleranz gegenüber Intoleranten führt automatisch zu Intoleranz! Da diese Initiative nur längst fälliges umsetzt, wird auch niemand ausgegrenzt und wir können, inschallah (so Gott will), einander bald wieder alle ein Lächeln schenken, das gesehen wird!

Marco Albrecht, Mitglied Wiler Stadtparlament, SVP