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Lifestyle
25.03.2021
26.03.2021 19:19 Uhr

Mit Humor die Lebensfreude fördern

Bei der Frauengemeinschaft Niederhelfenschwil stellte Liz Monteleone ihre Arbeit vor und bereitete sichtlich Fröhlichkeit. Bild: Vroni Krucker
Seit 20 Jahren arbeitet Liz Monteleone engagiert und mit viel Herzblut als Traumdoktor (früher Spitalclown) bei kranken Kindern und bringt Humor und Abwechslung auch zu Senioren und demenzkranken Menschen. Damit trägt sie wesentlich zu Entspannung und Frohsinn bei. Angestellt ist sie von der Stiftung Theodora, arbeitet bei älteren Menschen aber auch für die Stiftung Lebensfreude.
Liz Monteleone zuhause in Lenggenwil / Der Kittel wird von der Stiftung zur Verfügung gestellt. Bild: Vroni Krucker

von Vroni Krucker

Ein Spitalaufenthalt ist ein prägender Einschnitt im Leben eines Kindes und seiner Eltern. Trennung, Schmerz, Sorge, Unsicherheit, Angst usw. belasten beide Teile. Da kann der Traumdoktor helfen und ablenken, die Angst mindern – dem kleinen Patienten die Spitalwelt verständlicher machen. Die Traumdoktoren kommen zum Beispiel vor und nach einer Operation, zu onkologischen Patienten, bei schmerzhaften Verbandwechseln und Punktionen oder in der Notfallstation zum Einsatz – geplant oder spontan. Alle Kinder werden besucht, sofern sie dies wünschen. Sie agieren mit ihrem speziellen Outfit, mit Geschichten, Suggestionen, Musik und so weiter und übersetzen die Vorgänge im Spital fantasievoll in die Sprache der Kinder. Damit leisten sie wertvolle Unterstützung in verschiedensten Belangen.  Ähnlich sieht es aus bei älteren Menschen, die von den eigenen vier Wänden ins Alters- oder Pflegeheim wechseln.

Liebe auf den ersten Blick

Liz Monteleone ist verheiratet, Mutter von zwei erwachsenen Söhnen und freut sich an drei Enkelkindern. Sie arbeitete zunächst im Hotelfach und dann als Mutter in diversen Aushilfsjobs - wirklich glücklich war sie dabei nicht, irgend etwas fehlte. «Soll so mein Leben weitergehen», fragte sie sich. Eines Nachts erwachte sie am TV und stiess dann auf einen Beitrag über die Spitalclowns. Sofort war ihr klar: «Genau das suche ich». Es war Liebe auf den ersten Blick. Das Gefühl und die Begeisterung für dieses Vorhaben ist gewachsen und immer grösser geworden. Es verging aber noch einige Zeit des Abwägens und Zweifelns bis sie Nägel mit Köpfen machte. Die aufgesuchte Berufsberaterin und das Umfeld bestärkten sie in ihrem Plan, und so nahm sie die vielseitige Ausbildung zum Traumdoktor in Angriff. Es ist sicher das richtige Betätigungsfeld, das ihrem herzlichen und fröhlichen Wesen entspricht. Ihr Rüstzeug holt sie sich unter anderem bei David Gilmore und Oliver Kühn. Dazu kam das Schauspielerische, Sketches, Zauberei, Tanz sowie Kurse zu verschiedene Themen wie zum Beispiel «Der innere Clown». Nach und nach stieg die Selbstsicherheit, sie entdeckte, was in ihr steckt und das veränderte einiges in ihr.  Am 1. Mai 2001 stellt sie sich bei der Stiftung Theodora vor, wurde aufgenommen, konnte die Ausbildung absolvieren . Seither arbeitet seither mit Intensität und Freude an diversen Spitälern und bei Organisationen, momentan vor allem im Kinderspital St, Gallen als Dr. Floh. Bei den Senioren ist sie Clown Sissi.

Dr. Floh unterwegs..... Bild: Vroni Krucker
Sissi bringt Frohsinn zu den Seniorinnen und Senioren. Bild: Vroni Krucker

Wichtigste Voraussetzung

Nebst den Hygienevorschriften ist es äusserst wichtig, alles «draussen» zu lassen, ganz im Hier und Jetzt zu sein, sich auf den Patienten, die Patientin einzustellen, eine psychologisch sehr anspruchsvolle Aufgabe, die trotzdem mit einer bestechenden Leichtigkeit getan wird. Wichtig ist die Zusammenarbeit und das Gespräch mit den Pflegenden. Kinder lassen sich mit Kleinigkeiten begeistern, einem tanzenden Finger, einem Figürchen, einer Grimasse oder was auch immer. Meistens entwickelt sich schnell eine Vertrautheit – schliesslich sind Clowns beliebt, kennt man sie ja schon vom Zirkus. Empathie und feinfühlige Kommunikation spielen schon beim Eintritt ins Zimmer eine wichtige Rolle, ebenso das Gefühl für Distanz und Nähe, sowie Psychologie, Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis. Wo käme nicht Freude und Staunen auf, wenn plötzlich ein Dr. Floh ins Zimmer tritt in seinem weissen Kittel, den riesigen Schuhen, der roten Nase und farbigen Blumen im Haar oder wenn gar plötzlich Seifenblasen durch das Zimmer schweben. Das lockert die Atmosphäre im Spital. Dr. Floh wird zum Freund und Helfer, auch bei Jugendlichen, denen es zu Beginn vielleicht etwas peinlich ist.

Engagement zum Wohl von Gross und Klein

Auch in der Heil- und Bildungsstätte Ekkarthof in Kreuzlingen sind die Spitalclowns sehr willkommen. Dort gilt als Grundlage die von Rudolf Steiner begründete Anthroposophie, die den Menschen in seiner Gesamtheit betrachtet – ein Aspekt, der auch den Clowns nicht fremd ist.  Seniorenheime sind ein weiterer dankbarer Wirkungskreis. Der Clown bringt Abwechslung und Freude in den Alltag und kann viele Probleme auf eine besondere Art ansprechen, da und dort sogar lösen. All dies zeigt den grossen Wert des Clowns, der von Patienten, Ärzten und Pflegenden sehr geschätzt wird, weil sie dessen Nutzen tagtäglich erfahren dürfen. Von der Neonatologie über die Kinder-, Jugendlichen- und Erwachsenen-Abteilung ist der Clown überall herzlich willkommen, wird oft sehnsüchtig erwartet. Für den Clown selbst ist diese Tätigkeit mit Freude, Erfolg und Befriedigung verbunden. Dem intensiven Engagement der zahlreichen Männer und Frauen, welche diese Aufgabe mit Bravour meistern, gehört ein riesiges «Dankeschön».

Vroni Krucker