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08.04.2021
08.04.2021 18:29 Uhr

Käserei Germann - von Niederstetten nach Gossau

Kathrin und Urs Germann ziehen mit ihrer Käserei nach Gossau um. Bild: Rita Bolt
Die Käserei Germann verlegt ihre gesamte Produktion von Niederstetten ins Gossauer Niederdorf.

Rita Bolt

Die Käserei Niederdorf ist Geschichte: Das glaubten das pensionierte Käser-Ehepaar Edith und Emil Amacker und die Käsereigenossenschaft Niederdorf Gossau, als sie die Käserei Ende November 2019 leer geräumt hatten. Weil das Gebäude in die Jahre gekommen und nicht ebenerdig ist, zweifelte die Genossenschaft daran, einen Nachmieter zu finden. Nun wird die ehemalige Käserei doch wieder in Betrieb genommen. „Es ist zwar finanziell noch ein Lupf, aber das kommt gut“, sagt Landwirt Peter Schlauri von der Käsereigenossenschaft. Sie müsse die Käserei innen sanieren, damit alles den Lebensmittelvorschriften entspreche. Einen finanziellen Lupf ist es auch für Germanns, welche nur einen Teil der Maschinen von Niederstetten nach Gossau mitnehmen können. Sie konnten aber einen langjährigen Mietvertrag mit der Genossenschaft als Besitzerin des Gebäudes abschliessen.

Verschiedene Käse- und Milchprodukte

Seit 20 Jahren stellen Kathrin und Urs Germann in der Käserei Niederstetten verschiedene Käse- und Milchprodukte her. Sie produzieren auch „Appenzeller“ für die Sortenorganisation Appenzeller-Käse. Einen grossen Teil der Arbeitszeit beansprucht die Herstellung der eigenen Jogurt-Linie „Fürstenland“. Hergestellt werden wöchentlich zwischen 6000 und 8000 Becher mit verschiedenen Geschmacksrichtungen. „Wir sind platzmässig und auch von der Arbeitsbelastung her an unsere Kapazitätsgrenzen gestossen“, sagt Urs Germann. Deshalb habe er die Appenzellerkäse-Produktion abgeben wollen. Germanns und die Sortenorganisation konnten sich nicht einigen und da die Appenzellerkäse-Produktion in Niederstetten bleiben muss, hat die Käserei Niederstetten AG, als Besitzerin der Käserei, Germanns auf Ende April gekündigt. „Wir mussten uns entscheiden, ob wir weitermachen, selbstständig bleiben wollen oder ob ich mich anstellen lassen soll“, sagt Urs Germann schulterzuckend. Aber nach 20 Jahren Selbständigkeit sei eine Anstellung nicht ganz einfach. Auf einer Velotour haben Germanns dann die leerstehende Käserei im Niederdorf entdeckt, Kontakt aufgenommen und entschieden, künftig in Gossau zu produzieren und den Appenzeller-Käse aufzugeben. „Die Käserei im Niederdorf ist zwar gut gelegen. Wir müssen aber einen sechsstelligen Betrag investieren“, verrät der Käser. Denn die Einrichtung für die Käseproduktion muss in Niederstetten bleiben. Mitnehmen kann er die Maschinen für die Jogurt-, Butter-, Rahm- und Milchproduktion.

Säntisblick-Mutschli und Bier-Käse

Geplant ist in der neuen Käserei einmal in der Woche Butter herzustellen und einmal wöchentlich zu käsen: Heumilchkäse, Moscht-Käse, Raclette und weil von Germanns Wohnhaus in Niederwil der Säntis zu sehen ist, wird auch weiterhin das „Säntisblick-Mutschli“ im Sortiment sein. Und da der „Freihof“ mit seiner Brauerei im Niederdorf nur einen Katzensprung entfernt ist, könnte es zukünftig vielleicht ein Bierkäse geben, verrät Urs Germann. Geplant ist ebenfalls ein „Lädeli“ einzurichten, in dem die Produkte direkt verkauft werden. Wenn alles planmässig verläuft, startet die Produktion in Gossau Anfang Mai. Ab dem 29. April ist Kathrin Germann mit den „Fürstenland“-Produkten jeweils am Gossauer Wochenmarkt vom Donnerstag in der Markthalle anzutreffen.

Es soll eine neue Halle entstehen

Die Landwirte der Käsereigenossenschaft Niederdorf bringen ihre Milch weiterhin nach Jonschwil. „Daran wird sich nichts ändern“, sagt Peter Schlauri. Ändern soll sich gemäss Planung noch etwas auf dem Areal der Käserei Niederdorf. Anstelle eines abbruchreifen Gebäudes soll eine neue Halle entstehen, die vermietet wird. Das Projekt sei aufgegleist und es finde eine Begehung mit der Stadt Gossau statt. Der Schweinestall sei vermietet und werde bestehen bleiben.

Rita Bolt