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16.05.2021
17.05.2021 15:45 Uhr

Dr. Gut: "Mohren" gar nichts mit Rassismus zu tun

Dr. Philipp Gut: «Mit Rassismus haben die Mohren aus dem Mittelalter gar nichts zu tun.» Bild: Linth24
In Schweizer Städten - wie in Zürich - lässt man historische Inschriften mit dem Namen "Mohr" ausradieren. Die Rassismus-Debatte wird immer absurder. Weil man die Geschichte nicht kennt?!
  • Kolumne von Dr. Philipp Gut

«Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen», heisst es bei Friedrich Schiller. Ausgedient haben die «Mohren» auch in Zürich. Die linksregierte grösste Schweizer Stadt will von ihren Gebäuden alle historischen Inschriften entfernen, die irgendwie mit der Bezeichnung «Mohr» zusammenhängen. Bekannt sind beispielsweise alte Häuser mit dem Schild «Zum Mohren» oder Familienwappen, die das Antlitz eines dunkelhäutigen Menschen zeigen.

Mit ihrem modernen Bildersturm will die Zwinglistadt nach eigenen Angaben einen Beitrag gegen Rassismus leisten.

Hochblüte der Kultur

Dumm ist nur: Mit Rassismus haben die Mohren aus dem Mittelalter gar nichts zu tun.

Wer ein bisschen historisch informiert ist, der weiss: Das Wort «Mohr» ist vom Begriff der «Mauren» (spanisch «moros») abgeleitet, also den Berberstämmen in Nordafrika, die von den Arabern islamisiert wurden und dann bei der Eroberung der Iberischen Halbinsel mithalfen.

Den Arabern verdankt das südspanische Andalusien bis heute herausragende Kulturdenkmäler. Ihre Herrschaft war durch eine Blüte der Wissenschaft, durch Toleranz und wirtschaftliche Prosperität geprägt.

Faszination und Bewunderung

Wer damals die Bezeichnung «Mohr» verwendete oder Schwarze abbildete, drückte damit Faszination und Bewunderung für das Fremde aus – und keineswegs eine rassistisch motivierte Abwertung.

Eine zweite, ebenso unverdächtige Quelle für die Verwendung von «Mohren» in Inschriften und Wappen war der heilige Mauritius, ein christlicher Märtyrer der sogenannten thebäischen Legion, die im 3. Jahrhundert im Wallis stationiert war.

Wie es die Legende will, soll sich Mauritius geweigert haben, den römischen Kaiser als Gott zu verehren und wurde deshalb enthauptet. Mauritius stammte aus Ägypten, er war also dunkelhäutig.

Wer ihn in sein Wappen aufnahm, drückte damit seine Verehrung für den Heiligen aus.

Schwarze Stadtheilige

Auf eine ganz besondere Pointe weist der ansonsten bei diesem Thema mit allzu engen Unterhosen argumentierende «Tages-Anzeiger» in einem bemerkenswerten Artikel hin: Auch die Zürcher Stadtheiligen Felix und Regula gehörten zur römischen Legion aus Theben. Sie waren also selbst Schwarze. Welche Ironie der Geschichte!

Rassismus-Debatte entgleist

Dass die Darstellung von Mohren nicht pejorativ gemeint war, legt im Übrigen schon der gesunde Menschenverstand nahe: Wer möchte denn ein Wappen tragen oder in einem Haus wohnen, das mit negativen Vorzeichen belastet ist?

Nach dem angekündigten Denkmalsturz für unliebsam gewordene Helden früherer Epochen ist die von der Zürcher Stadtregierung ausgerufene Säuberung der Mohren ein weiteres abschreckendes Beispiel dafür, wohin überbordende politische Korrektheit, «Cancel Culture» und eine geschichtsblinde Rassismus-Debatte geführt haben.

Dr. Philipp Gut schreibt auf dem Online-Verbund von Portal24 jede Woche eine Kolumne, die auf den 10 dem Verbund angeschlossenen Portalen jeden Sonntagmorgen publiziert wird. Philipp Gut ist Historiker, Bestsellerautor («Jahrhundertzeuge Ben Ferencz») und einer der profiliertesten Journalisten der Schweiz. Mit seiner Kommunikationsagentur Gut Communications GmbH berät er Unternehmen, Organisationen und Persönlichkeiten.

www.gut-communications.ch

Dr. Philipp Gut, Kolumnist Wil24