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Lifestyle
23.05.2021

"Wallet" für Sparschwein und Portemonnaie

Bild: Jörg Eugster / jg
Lust auf die Zukunft? Wie sieht unser Leben in dreissig Jahren aus? Antworten darauf geben interessante Kurzgeschichten aus dem Jahr 2050, geschrieben von Jörg Eugster, bekannt als "Der Zukunftsbotschafter®".

Opa trifft Lena zufälligerweise vor dem Haus. “Du Lena, deine Mama hat mir ganz stolz dein Semesterzeugnis gezeigt. Gratuliere zum guten Zeugnis. Dafür möchte ich dir einen Batzen in dein Sparschwein geben.” Opa schaut verheissungsvoll. Lena schaut ihn entgeistert an. “Opa, was ist denn ein Batzen und ein Sparschwein? – “Ach, Lena, das hat man früher so gesagt. Batzen war Geld in Form von Münzen und Geldscheinen. Und das Sparschwein war der Aufbewahrungsort. Damit konnte man schöne Dinge kaufen, wenn man genug gespart hatte. Heute gibt es keine Sparschweine mehr, sondern die heissen schlicht und emotionslos Wallet.” – “Auch Mama hat gestern von Wallets gesprochen,” meint Lena. “Ja, wie denn”, fragt Opa? – “Wir waren Lebensmittel einkaufen. Beim Verlassen des Geschäfts sagte Mama nur ‘178 OK’. Auf meine Frage hin sagte sie mir nur, dass sie gerade 178 Kryptos für den Einkauf bezahlt habe. Die Cloud habe ihre Stimme erkannt und den Betrag vom Wallet freigegeben. Ich habe Mama nicht verstanden. Opa, kannst du mir bitte erklären, was Kryptos und Wallets sind?”

“Oh, das erstaunt mich. Sonst bist immer du es, die mir die neuen Dinge erklärt. Die Revolution beim Bezahlen habe ich über die letzten Jahre hautnah miterlebt. Also, der Reihe nach. Früher war es normal, in einer Währung mit Bargeld, also Münzen und Geldscheinen zu bezahlen. Das war oft sehr umständlich. Man brauchte Kleingeld, um zum Beispiel die Parkgebühr bezahlen zu können. Heute haben wir Kryptowährungen, dank denen die meisten Prozesse völlig automatisiert ablaufen, von Maschine zu Maschine, also M2M. Das macht unser Leben viel einfacher. Autos bezahlen selbständig die Parkgebühr oder die Maut in Token, weil die Autos ein Krypto-Wallet eingebaut haben. In einem Wallet kann man eine Kryptowährung wie digitaler Franken, ADA oder STC speichern, so wie früher den Batzen im Sparschwein.” – “Ach so, jetzt verstehe ich etwas besser, was Mama und du meinten.” antwortet Lena. 

Opa fährt fort: “Unglaublich, wenn ich an meine Jugend denke. Da musste man immer Bargeld im Geldbeutel mitführen. Auf der Bank mussten wir das Geld am Schalter oder am Bankautomaten beziehen und dabei eine Plastikkarte zur Identifikation nutzen. Das war sehr umständlich”, sinniert Opa. – “Du Opa, ich frag’ jetzt lieber nicht, was ein Schalter oder Bankautomat war. Das tönt für mich irgendwie nach Mittelalter,” entgegnet Lena. – “Ja, soweit zurück war das bestimmt nicht. Ich finde es heute aber viel einfacher, gerade auch für alte Leute wie mich.”

Jörg Eugster ist “Der Zukunftsbotschafter ®”
Er berichtet hier regelmässig aus dem Jahr 2050, wie sich die Technologien und Lebensweisen entwickelt haben.
www.eugster.info

Jörg Eugster, Kolumnist wil24.ch