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Kultur
08.07.2021

"Roter Gatter" (Wiler Orte 9)

Bild: aze.
Im Rahmen der Wil24-Sommerserie 2021 stellen wir besondere Orte in Wil vor; heute ein neunter Beitrag mit Hintergründen zum «Rotten Gatter».

Adrian Zeller, Journalist

Sozusagen im Schatten des mächtigen Hof steht auf der Ostseite ein interessanter Annexbau. Er wurde um 1540 auf Geheiss des damaligen Fürstabt Diethelm Blarer von Wartensee errichtet.

Die spezielle Formgebung hat ihren Ursprung im damals noch bestehenden Stadttor in Richtung Hofbergstrasse, es wurde Weihertor genannt. Der Hof-Anbau wurde wegen seines rot gefärbten Gittertors als «Zum Roter Gatter» bezeichnet.

Gastlokal

Ursprünglich wurde die bauliche Ergänzung als Archiv sowie zu Wohnzwecken genutzt. Im Weiteren diente es als Gaststätte. Viele Besucher Wils fanden dort Unterkunft und Verpflegung. Auch Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela legten dort einen Zwischenhalt ein.

Der Geschäftsgang der Gaststätte lief mit der Zeit schleppend, um 1830 war ihre Zeit abgelaufen. In der Nachfolge zog eine Käserei ein. Durch die Milchverarbeitung wurde nun auch die Bezeichnung «Sennhof» für das Gebäude  geläufig. Mittlerweile befinden sich im Gebäude Wohnungen.

Nutzung als Turnhalle

Die angrenzende Dienerschaftskapelle entstand gleichzeitig mit dem «Roten Gatter». Seine einstige Funktion als Sakralraum ist an den beiden sogenannten kreuzförmigen «Vierpassfenster» seitlich unter dem Dachfirst zu erkennen. Der kleine Erker des Chors, in Richtung Hofbergstrasse, wurde wegen Baufälligkeit entfernt. Und auch der kleine Glockenturm wurde abgebrochen.

Ab 1863 dient die einstige Dienerschaftskapelle als Turnhalle, danach als Schopf. 1982 bis 84 wurde die Aussenfasse der Kapelle im Zuge der Hofsanierung restauriert. Der Innenraum ist bei der kommenden Renovationsetappe an der Reihe. Aus früheren Jahrhunderten sind im Inneren noch letzte Spuren von einstigen grossflächigen Freskomalereien sowie auch Überreste von üppigen Stuckaturen erkennbar.

Im Rahmen der Zwischennutzung wird der ehemalige Kapellenraum gegenwärtig gelegentlich für Kunstaustellungen, für Fotoshootings und weitere Veranstaltungen genutzt.

Adrian Zeller, Journalist