Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Wirtschaft
16.09.2021
19.09.2021 14:11 Uhr

Aktienmärkte: schleppender Verlauf

Christopher Chandiramani: «Der SMI fiel unter die psychologisch wichtige Marke von 12‘000 Punkten.» Bild: zVg.
Die eher schwächere Tendenz setzte sich fort: Kaum noch Zwischenergebnisse von Unternehmungen, abflachendes Wirtschaftswachstum und ein drohender Immobilienflop in China drückten auf die Kurse.

Im dritten Quartal 2021 startete die Schweizer Wirtschaft in guter Verfassung. Der Detailhandel und auch die Industrie zeigten erfreuliche Zahlen dank Produktions- und Exportsteigerungen. Die Pharmaindustrie bleibt im Aufwind. Die Auftragslage bleibt gut, die Arbeitslosigkeit nimmt ab. Viele Schweizer Unternehmen haben damit begonnen, die Kapazitäten wieder auszubauen. Vor allem auch die US-Wirtschaft erholt sich stark. Im zweiten Quartal legte sie 6.5 Prozent zu. Treiber dieser Dynamik waren vor allem die Konsumausgaben. Rohstoffen und Halbfabrikate wurden teurer, was auch zu Inflations- und Zinsängsten führte. Aber die Notenbanken bleiben vorläufig ruhig, erachten die Situation als vorübergehend.

Die Delta-Mutation der Corona-Krankheit hat vor allem in Asien die Wirtschaftsentwicklung gebremst. In der Schweiz hat der Bundesrat diese Woche die Zertifikats-Pflicht (GGG) für Veranstaltungen und  Innenräume eingeführt, was zu langen Warteschlangen bei Ärzten und Apotheken und somit auch zu Protesten führte.

Turbulenzen am chinesischen Immobilienmarkt

Der Immobiliengigant Evergrande ist in Finanznöten. Es erfolgten Herabstufungen der internationalen Ratingagenturen infolge Zahlungsverzugs. Vermutlich muss der chinesische Staat Schulden übernehmen. Ein Überschwappen auf europäische oder amerikanische Immobilienmärkte wird nicht erwartet. Trotzdem führten diese Hiobsbotschaften  zu Einbrüchen an den Aktienmärkten weltweit.

Sportschuhersteller ON erfolgreich an der Börse gestartet

Die Aktienemission des Schweizer Sportartikelherstellers ON war lange erwartet worden. Beim Start an der New Yorker Börse legte die Aktie fulminant zu und gewann am ersten Handelstag fast 50 Prozent. Mit einem Marktwert von etwa 10 Milliarden USD sind die Zukunftserwartungen sehr gross. Aktien ähnlicher Hersteller wie Adidas und Puma sind günstiger zu kaufen, auch in Bezug auf Umsatz und Reingewinn.

Unternehmensmeldungen

Die Helvetia Versicherungen erzielten in den ersten 6 Monaten einen Gewinn von 262 Mio. CHF, das liegt über den Erwartungen. Im Vorjahr war pandemiebedingt noch ein Verlust von 16.9 Mio. zu beklagen. Vorgestellt wurde auch das Strategieprogramm 2025, leider mit einem Stellenabbau.

Die Immobilien-Gesellschaft  Allreal expandiert nach Genf durch Erwerb von Teilen der Westschweizer Immosynergies Holding mit einem erstklassigen Immobilienportfolio. Für den Kauf ist die Ausgabe von 650‘000 neuen Aktien vorgesehen. Die Transaktion soll bis Ende Oktober abgeschlossen werden.

Kioskbetreiber Valora übernimmt die Back-Factory in Deutschland, diese wurde vor etwa 20 Jahren in Bielefeld gegründet und betreibt über 80 Läden in Deutschland. Im Vorkrisenjahr 2019 hat dieser Bäcker für Self-Service-Läden einen Umsatz von 80 Mio. EUR und einen  EBIT von etwa 5 Mio. EUR erwirtschaftet.

Nach einem Verlust von 0.5 Mio. CHF im Vorjahr verbuchte Crealogix, ein eher kleinerer IT-Dienstleister und Softwarehersteller, für das im Juni abgelaufene Geschäftsjahr 2020-2021 einen Gewinn von 1.1 Mio. CHF. Zudem wuchs der Umsatz um 5.4 Prozent auf 109 Mio. CHF.

Aussichten

In den kommenden zwei Wochen wird auf die Wahlen in Deutschland fokussiert. Prognosen gibt es noch keine exakten, trotz vielen TV-Duellen. Die Finanzprobleme des chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande dürften sich vermutlich nicht ausweiten. Corona wird uns noch lange beschäftigen, aber mit Lockdowns ist nicht mehr zu rechnen, höchstens mit noch schärferen und komplizierteren Massnahmen. Die Zinsängste sind eher unbegründet, aber die Psychologie der Erwartungen lässt die langfristigen Zinsen noch wtwas ansteigen. Massgebende neue Impulse für die Aktienbörsen folgen vermutlich erst wieder gegen das Jahresende.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24