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26.10.2021

"Unser" Bienenexperte Hans Oppliger gibt Auskunft

Eine Biene während der Bestäubung. Bild: Hans Oppliger
Bienen sind für uns Menschen lebenswichtige Tiere. Besonders wenn man bedenkt, dass in jedem dritten Bissen, den wir Menschen zu uns nehmen, Bienen beteiligt waren. Zur aktuellen Lage der Bienen in der Ostschweiz interviewten wir Hans Oppliger, einen führenden Experten, welcher die Bienenfachstelle des Kantons St. Gallen leitet und der in der Region Uzwil aufgewachsen ist.

Von Lena Stojanovic

Herr Oppliger, wie sind Sie zu Ihrem Beruf bzw. zu den Bienen gekommen?
Hans Oppliger: "Als Schüler sah ich, wie Pater Scheuermann vom Thurhof einen Bienenschwarm einfing. Dies faszinierte mich sehr, sodass ich beschloss, selber mit der Imkerei anzufangen. Daraufhin besuchte ich in Oberbüren einen ganzen Sommer lang zwei alte Imker und erhielt im Jahr 1975 meinen ersten Bienenschwarm. Als Student wählte ich für meine ETH-Diplomarbeit als erster Agronom der Schweiz das Thema Honigbienen. Ich untersuchte, von welchen Pflanzen die Bienen wieviel Pollen sammeln, dann wieviel Larven sie damit aufzogen und anschliessend zählte ich einen Sommer lang die Anzahl Bienen, die daraus geboren wurden und dokumentierte somit die Grössenentwicklung der Völker."

«Jede Privatperson darf Bienen halten. Es empfiehlt sich aber dafür einen Imkerkurs zu besuchen. Wichtig ist, dass man die Bienen fachgerecht hält und es ist obligatorisch, den Standort der Bienen auf dem Landwirtschaftsamt in St. Gallen zu melden.»
Hans Oppliger

Welches sind die häufigsten Probleme, welche bei einer Bienenhaltung auftreten? Und was ist die korrekte Angehensweise?
"Das Hauptproblem ist seit 30 Jahren die Varroamilbe, welche als Parasiten die Bienenvölker schwächen. Varroamilben übertragen auch Bienenviren von Volk zu Volk, wie Zecken, welche Menschenkrankheiten übertragen können. Die Bekämpfung der Varroamilben lernt man in den Imkerkursen. Es gibt nur zwei gesetzlich anzeigepflichtige Bienenkrankheiten auf den Bienenlarven: die Sauerbrut und die Faulbrut, bei welchen die Larven mit einen säuerlichen, beziehungsweise faulenden Geruch in den Waben absterben. Bei Verdacht ist es zwingend, den Bieneninspektor der Region zu informieren, der dann die nötigen Massnahmen ergreift."

Weshalb sind die Bienen für uns Menschen so wichtig?
"Die Honigbienen sind für die Menschen wegen ihrer Bestäubungstätigkeit sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Natur lebenswichtig. Honigbienen überwintern als Völker von 12 000 bis 15 000 Bienen. Im Frühjahr, wenn sehr viele Pflanzen blühen, sind sie die einzigen, welche schon in grosser Zahl Blüten bestäuben können. In einem Bienenvolk hat es schon im frühen Frühling 8000 bis 12 000 Flugbienen, welche an jedem warmen Tag bei über 9 Grad Temperatur Millionen von Blüten bestäuben können. Die Wildbienen überwintern nur als einzelne Königinnen und müssen sich zuerst vermehren, damit sie dann im Sommer auch viele Blüten bestäuben können."

Wie beurteilen Sie die jetzige Situation der Bienen bei uns in der Ostschweiz?
"In der Ostschweiz hat es in den meisten Regionen eine grosse Bienendichte. In den letzten 20 Jahren haben auch viele jüngere Leute das Imkerhandwerk gelernt. Dadurch sind heute die Imkervereine auch nicht mehr überaltert wie vor 40 Jahren. Als ich das Imkern lernte, gab es mit Ausnahme von Klosterfrauen noch praktisch keine Frauen, welche Honigbienen betreuten. Heute besuchen praktisch ebenso viele Frauen wie Männer Imkerkurse."

Was könnte jede Person tun, um die Situation zu verbessern?
"Leute, welche einen Garten, eine grössere Terrasse oder Land besitzen, können direkt bienenfreundliche Pflanzen anbauen und fördern. Dann soll man in der Bevölkerung auf eine positive Einstellung hinwirken, dass zum Beispiel um öffentliche Anlagen, wie Schulhäuser naturnahe Vegetation und nicht nur langweiliger Grasrasen gefördert wird. Man muss aber auch darauf hinweisen, dass die Kinder beim Barfusslaufen aufpassen sollen, wohin sie stehen, damit sie die Bienen auf den Blüten nicht vertrampeln und dadurch gestochen werden."

Vielen Dank für das Interview, Herr Oppliger!

«Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr. »
Albert Einstein (Bildquelle: pixabay.com)
Lena Stojanovic