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Kultur
21.08.2020
06.09.2020 15:17 Uhr

HOMMAGE AN DIETER WIESMANN: ERINNERUNG UND POESIE

Der Liederabend, organisiert vom Vorstand der Donnerstags-Gesellschaft Oberuzwil, wurde ein voller Erfolg. Der Schaffhauser Apotheker Dieter Wiesmann (1939-2015) war durch seine Lieder präsent wie eh und je, seine grosse Liebe zu Irland ebenfalls. Ausdrucksstark, präsentierten Annette Démarais und Georg Della Pietra, das Duo HOMMAGE, seine Lieblingslieder und begeisterte das Publikum. Es war ein Abend voller Poesie und Schwingungen.

(Vroni Krucker)

"Gäge de Strom"

«Rassenkämpfe, unfähige Politiker, unterdrückte Völker, Wirtschafts-Filz, diese Themen waren mir stets eine Nummer zu gross», schrieb Dieter Wiesmann.  Er beschäftigte sich lieber mit kleinen Dingen, die wahrscheinlich letzten Endes der Nährboden sind für alle grossen Dinge: menschliche Beziehungen, Toleranz, Optimismus, Träume als Quelle für den Alltag – und immer wieder die Liebe! 2/3 der Songs sind Liebeslieder. Sie erzählen von enttäuschter, himmelhochjauchzender, skeptischer und idealistischer Liebe.

Poetisch, melancholisch, fröhlich

Das in St. Gallen aufgewachsene Multitalent Annette Démarais (geb, 1976) begann seine musikalische Ausbildung bereits im 9. Lebensjahr. Sie studierte unter anderem an der Scuola Teatro Dimitri. 2003 erhielt sie den Kulturpreis der Stadt Rorschach. Als Schauspielerin, Artistin und Musikerin trat sie an verschiedensten Theatern auf. In den letzten Jahren war sie regelmässig bei den Programmen des Vorstadt Variétés Schaffhausen engagiert, wo sie heute auch für die künstlerische Leitung verantwortlich ist. Sie hatte Wiesmann «im Griff» und zwar auf Gitarre und Violine, aber auch im Text, den sie - äusserst sympathisch und verschmitzt lachend - auch mal ein bisschen verwechselte. Mit Einfühlungsvermögen und dem nötigen Witz und Charme weckte sie die Lieder zu neuem Leben, zeigte die Feinfühligkeit und unglaubliche Beobachtungsgabe des Liedermachers auf. Erstaunlich, wie aus kleinen Gegebenheiten in seiner nächsten Umgebung, vor allem auch im geheimnisvollen Irland, mal sanft, mal mit spitzer Zunge herrliche Lieder entstanden sind. Die Künstlerin muss sich sehr intensiv mit Wiesmanns Literatur und dem Menschen auseinandergesetzt haben, um die Fülle und Tiefe zu verstehen und auf so fantastische Weise weiterzugeben – immer zusammen mit ebenso faszinierenden Begleiter Georg Della Pietra.

Für Gross und Klein

Wiesmann nahm die facettenreichen Menschen mit in seinen Alltag. Alltägliches wurde zum Speziellen wie «S’Fräulein Wild» und ihr Lädeli, wo es so schön heisst: «Zucker näbed Wichsi, Confi näbed Pril, Mottechugle, Zahpaschta, was mer grad so will» bis auch an diesem Lädeli der Zahn der Zeit nagte und es vom Supermarkt verdrängt wurde. Ähnlich gings  «Mrs. O’Casey, Union Hall», wo neben den Whisky, Wein, Bier und Spirit auch d’Lismete Platz hatte und die alte Frau die Wünsche aller Kunden kannte, die nach dem vierten Drink spürten, was der Vorgänger aus dem Glas getrunken hatte. Grosser Unterschied: Die Union Hall in Südengland gibt es noch heute, ebenso den alten Friedhof, dem auch ein Lied gewidmet ist. Kinder lagen dem Apotheker besonders nahe, betonte Della Pietra. Das zeigt sich speziell in der CD «Matthias».  Er hatte einige Patenkinder, denen er Lieder widmete. Annette Démarais sang das Tauflied für Simone.

Georg Della Pietra, der Kenner

Authentischer könnte ein Auftritt mit Wiesmanns Liedern nicht sein, denn Georg Della Pietra hat ihn während 15 Jahren bis zum Ende seiner Bühnenkarriere auf den Tourneen durch die Schweiz begleitet. Er wusste entsprechend viele Détails zu den Liedern und ihrer Entstehung. Er war ein echter Freund, die beiden ein tolles Duo und die tiefe Verbindung noch immer spürbar. Der in Altdorf aufgewachsene Musiker, hat als Teenager diverse Instrumente autodidaktisch erlernt, später am Konservatorium Winterthur klassische Gitarre studiert und mit diversen Ensembles konzertiert, ob mit Folk, Klassik oder Rock – einfach Musik machen. Das zeigte sich auch am Donnerstagabend in den feinen, schmelzenden, rassigen oder prägnanten Klängen aus Gitarre oder Handharmonika.

Dieter Wiesmann

Der Liedermacher wurde 1939 geboren. Er war Pfadfinder, machte die Matura und wurde dann Apotheker. Bereits während seines Studiums arbeitete er beim Schweizer Fernsehen als Moderator und Redaktor, synchronisierte und überarbeitete Geschichten für das Kinder-Fernsehprogramm. 1983 war er Mitbegründer des Schaffhauser Lokalsenders Radio Munot. Weiten Kreisen bekannt wurde er durch die Sendung «Dachbudenplausch» beim Schweizer Fernsehen. Zwischen 1974 und 1999 gab er über 2000 Konzerte und veröffentlichte elf Alben. 1980 machte er eine Tournee im ersten rollenden Eisenbahntheater der Welt. Für das Kinderalbum «Matthias», produziert von Reinhard Mey, erhielt er 1989 eine Goldene Schallplatte.

Wil24