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Stadt Wil SG
03.07.2020
06.09.2020 16:19 Uhr

EMEL OEZCELIK 40 JAHRE ANÄSTHESIEPFLEGE IM SPITAL WIL UND WATTWIL

«Es ist Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergangen ist» Emel Oezcelik hat fast ihr ganzes Berufsleben in den Spitälern Wattwil und Wil verbracht. Dem Ruhestand, in dem ein Archäologie-Studium ein mögliches Projekt sein könnte, blickt die 64-Jährige sowohl freudig als auch ein wenig nervös entgegen.

«Es ist traurig, dass es nun zu Ende geht», sagt Emel Oezcelik. Die Dipl. Expertin Anästhesiepflege hat 40 Jahre für die Spitalregion Fürstenland Toggenburg (SRFT) gearbeitet, davon 38 in Wattwil und die letzten zwei in Wil. Sie habe sich am Arbeitsplatz immer wie in einer Familie gefühlt, erzählt die 64-Jährige. Ein Eindruck, der nach einem Besuch auf ihrer Station an ihrem allerletzten Arbeitstag nachvollziehbar wird. Immer wieder kommen Kolleginnen und Kollegen von Emel in das Zimmer, in dem das Interview stattfindet. Die Emotionen werden in den kurzen Gesprächen greifbar, die gegenseitige Dankbarkeit ebenfalls. «Ich habe den Beruf geliebt. Es ist Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergangen ist», sagt Emel.

Begonnen hat alles 1980, als Emel Oezcelik von der Türkei in die Schweiz gekommen ist. In Wattwil hat sie zunächst in der Anästhesie sowie im Rettungsdienst gearbeitet, was ihr einiges abverlangt hat. Heute bezeichnet sie ihre Gelassenheit und ihre Nerven als grosse Stärken, die sie auf die Patienten und Patientinnen übertragen könne. «Gewisse Geschichten aus der Zeit beim Rettungsdienst bleiben auf ewig in meiner Erinnerung. Einmal ist am Berg ein Lastwagen verunfallt. Es hatte Schnee und ich nur ungenügendes Schuhwerk, worauf ich es weggeworfen habe und barfuss gelaufen bin. Daraufhin war ich eine Weile krank» erzählt Emel schmunzelnd.

Nicht zweimal an den gleichen Ort reisen

Die zweifache Mutter hat während den 40 Jahren immer zu 100 Prozent gearbeitet, ihr Mann Fethi hat den Haushalt in Wattwil geführt und der Tochter Cigdem und dem Sohn Emre geschaut. Beide leben heute in Zürich und fühlen sich gemäss Emel ganz und gar als Schweizer, ein Gefühl, das sie teile: «Ich liebe die Schweiz. Ich könnte heute nicht mehr ganz zurück in die Türkei.» Die Reiselust hat sie damals in die Schweiz geführt, wo es sie schliesslich gehalten hat, doch Emel möchte noch viele weitere Länder erkunden. Sie reise selten mehrere Male ins gleiche Land. «Ich entdecke lieber immer wieder eine neue Nation und somit eine neue Kultur.»

Die Neugier sieht die langjährige Anästhesiepflegerin als eine SchlüsselcharakterEigenschaft von Pflegepersonen an. Da die Technologie und die Forschung Veränderungen beschleunigten, sei es entscheidend, dass das Pflegepersonal immer wissensdurstig bleibe. «Ich habe immer gerne mit jungen Pflegenden zusammengearbeitet, weil wir gemeinsam voneinander lernen konnten», sagt Emel. Der technische Fortschritt habe gerade im Narkosebereich die Arbeit verändert aber auch erleichtert.

Entdeckergeist ist nicht erloschen

Empfindet sie Wehmut, weil ihr Abgang von starken Nebengeräuschen wie der Corona-Krise und der kantonalen Spitaldebatte geprägt ist? «Ich habe immer damit gerechnet, in Wattwil pensioniert zu werden. Doch nach der Schliessung des Operationssaals war das nicht mehr möglich, was etwas schade ist», meint Emel. Die Pandemie habe vor allem ihre Reisepläne zerzaust. Mit ihrem Mann wäre sie im Sommer eigentlich nach Übersee geflogen. Dies müsse nun halt warten.

«Ich weiss es wirklich nicht», antwortet Emel auf die Frage, was die Zukunft nebst dem Reisen für sie bereithält. Sie wirkt fast ein wenig schüchtern, wenn sie über die viele Freizeit spricht, die ihr nun bevorsteht. Dies verdeutlicht, wie sehr sie sich ihrer Arbeit hingegeben hat. Auf alle Fälle wolle sie sich ein Hobby suchen, doch konkrete Ideen habe sie noch keine. «Ich habe mir auch schon einmal überlegt, ob ich in Zürich an die Senioren-Universität gehen soll. Dann würde ich aber etwas studieren, dass nichts mit Medizin zu tun hat, beispielsweise Archäologie», erklärt Emel. Ihre Neugier und ihr Entdeckergeist sind keineswegs erloschen.

Im Titelbild: Emel Oezcelik, Dipl. Expertin Anästhesiepflege, an ihrem letzten Arbeitstag.