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Lifestyle
05.11.2020

Nur ein Viertel der Onlineshops barrierefrei

Die aktuelle Schweizer Accessibility-Studie legt den Fokus auf die Barrierefreiheit von Onlineshops und stellt ernüchtert fest: 1,7 Millionen Menschen mit einer Behinderung treffen beim Einkaufen im Web auf teilweise unüberwindbare Hindernisse und werden so vom Onlineshopping ausgeschlossen.

Onlineshopping hat sich zur Selbstverständlichkeit entwickelt. Die Coronakrise hat diesen Wandel zusätzlich befeuert und der Schweizer Onlinehandel hat allein im ersten Halbjahr 2020 gesamthaft über 35 Prozent zugelegt. Umso wichtiger ist es, dass alle Menschen in gleichem Mass an diesen digitalen Angeboten teilhaben und ihre Einkäufe selbständig online erledigen können.

Mit 10 von 41 getesteten Onlineshops sind allerdings nur knapp ein Viertel für Menschen mit Behinderungen gut bis sehr gut nutzbar. 17 Onlineshops sind in Teilen bedienbar. Sie weisen einige Barrieren auf, die in Einzelfällen so hoch sind, dass sie einen erfolgreichen Einkauf im Web verunmöglichen. 

Viele verschiedene Hürden

Die digitalen Barrieren im Internet sind dabei vielfältig, wie nachfolgende Beispiele zeigen. Wenn sich Produkt-, Zahlungs- oder Lieferoptionen beim Onlineshopping nicht mit der Tastatur ansteuern lassen, sind alle Menschen benachteiligt, die keine Computermaus (oder ein anderes Zeigegerät) bedienen können, beispielsweise wegen motorischer Behinderungen wie Muskelzittern.

Ungenügende Kontraste von Navigations- oder Bedienelementen verunmöglichen oder erschweren Menschen mit Sehbehinderungen das Einkaufen. Wenn Informationen nur in Form von Bildern vorliegen, was leider häufiger der Fall ist, werden blinde Menschen benachteiligt.

Bei Produkt- und Herstellervideos ohne Textalternativen für gesprochene Informationen entstehen bei hörbehinderten Menschen Informationsdefizite. Komplexe Sprache und Struktur sind eine Barriere für Menschen mit kognitiven Behinderungen.

Newsticker und daueranimierter Inhalt erschweren Menschen mit einem Aufmerksamkeitsdefizit den Einkauf im Onlineshop unnötig. Die Vielfalt der Hürden verdeutlicht, dass viele Menschen und damit potenzielle Kunden von Barrierefreiheit im Web profitieren. 

Bundesbetriebe, Swiss und Ikea vorbildlich

In den Top Ten der Gesamtrangliste finden sich fünf Onlineshops der öffentlichen Verwaltung und bundesnaher Betriebe. Dies zeigt, dass die Sensibilisierung für das Thema auf Stufe Bund und bundesnahe Betriebe vermehrt vorhanden ist.

Privatwirtschaftliche Anbieter unter den Top Ten wie Swiss International Airlines, Nespresso, Airbnb und Ikea sind u.a. in Ländern aktiv, in welchen strengere Vorschriften bezüglich Barrierefreiheit im Internet gelten und Klagen bzw. Bussen bei Nichterfüllung drohen. Ausserhalb der Top Ten ist das Bild der Ergebnisse durchmischt, branchenspezifische Aussagen sind nicht möglich. 

Regelmässig durchgeführte Studie 

Erarbeitet und durchgeführt hat die Schweizer Accessibility-Studie «Zugang für alle», das Kompetenz- und Zertifizierungszentrum in der Schweiz für digitale Barrierefreiheit. Es ist bereits die 5. Schweizer Accessibility-Studie. 

pd