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Leserbrief
Kanton SG
03.08.2020
06.09.2020 20:12 Uhr

LESERBRIEF: "SOLARBÄNKLI UND GELDVERSCHWENDUNG"

Ursula Egli, Rossrüti

Anfangs Juni hatten zwei Wiler Stadträte einen publikumswirksamen Wahlkampfauftritt, als sie beim Alterszentrum Sonnenhof eine Sitzbank aus Fotovoltaik-Elementen einweihten. Theoretisch hätte man dort sein Smartphone aufladen können. Weil das Solarbänkli jedoch unter einem Baum im Schatten platziert wurde, funktionierte es nicht richtig, und musste wegen Läusen auf dem Baum täglich gereinigt werden. Zudem wurde es offenbar auch gar nicht so häufig benutzt, denn weder die Schüler des nahegelegenen Sonnenhofschulhauses, noch die Bewohner des Alterszentrum zeigten ein Interesse daran. Die einen, weil sie auf dem Weg vom und zum Schulhaus kein Bedürfnis hatten, ihre Smartphones aufzuladen, die anderen, weil es unbequem ist, sich auf einer Sitzfläche aus spiegelglatten Sonnenkollektoren ohne Rückenlehne auszuruhen. Das merkte schlussendlich auch der Stadtrat und so wurde das Bänkli wieder abmontiert und steht nun beim Stadtweiher. Was man vorher nicht bedacht hatte, nämlich dass ein Solarbänkli an der Sonne und nicht im Schatten stehen muss, damit es funktioniert hat man jetzt korrigiert. Nun gibt es allerdings ein neues Problem, weil durch die Sonnenstrahlen das Bänkli so heiss wird, dass niemand darauf sitzen will. Die ganze Episode zeigt, wie unbekümmert manchmal mit dem Geld des Steuerzahlers umgegangen wird. Trotz hochbezahlten internen und externen Energiefachleuten und dem ehrgeizigen Titel 'Smart City Wil' leistet man sich solche teuren Fehlinvestitionen wie das unbrauchbare Solarbänkli.

Es wäre an der Zeit, dass sich der Stadtrat mehr um die wirklich wichtigen Angelegenheiten der Stadt kümmert. Und davon gibt es viele: Von den über 200 Investitionskrediten, die seit Jahren noch nicht abgerechnet sind, über die schleppende Neubesetzung von offenen Stellen bis zur praktisch zeitgleichen Kündigung des Stadtschreibers und seines Stellvertreters gibt es dringende Probleme zu lösen. Darauf sollte der Stadtrat seine Prioritäten setzen und nicht auf Wahlkampfauftritte, die nur dazu dienen, von den eigentlichen Problemen der Stadt abzulenken.

Ursula Egli, Rossrüti